Balance

Frühling 2007

von Anke Schmitz

 

Ein Leben in Freiheit und Gesundheit durch Brandon Bays’ THE JOURNEY

 

Brandon Bays erkrankte im Alter von 39 Jahren an einem Gebärmuttertumor in der Größe eines Basketballs. Dass gerade sie diese Krankheit ereilte, entsetzte sie, denn schließlich arbeitete sie schon seit zwei Jahrzehnten als Therapeutin verschiedener Fachrichtungen wie Kinesiologie, NLP, etc., ernährte sich vegetarisch, bewegte sich viel an der frischen Luft, machte Yoga, meditierte regelmäßig, führte ein erfülltes Leben als Ehefrau und Mutter. Kurzum: Sie machte im Grunde alles „richtig“. Aber war es wirklich „richtig“? Indem sie das hinterfragte, begriff sie, dass ihr der Tumor etwas „sagen“ wollte und begab sich auf eine Reise nach innen. Nach sechseinhalb Wochen war nicht nur der Tumor verschwunden, sondern auch die seelischen Wunden, die ihn verursacht hatten.

 

 

 

Folgendes Beispiel, von dem Brandon auf ihren Seminaren erzählt, liebe ich besonders: Ein Baby fühlt sich, wenn es auf die Welt kommt, noch so sehr mit allem verbunden, dass es die Berührung der Mutter nicht als von sich getrennt empfindet.

 

Der Wesenskern eines jeden Menschen ist, wenn er auf die Welt kommt, wie ein reiner, strahlender Diamant, über den sich dann aber mit jeder schmerzhaften Erfahrung eine Schicht nach der anderen legt. Wir alle haben unzählige davon.

 

Das Weinen des Babys wurde von der Mutter nicht gehört, und der Diamant wurde von einer ersten Schicht Angst überzogen. Im Kindergarten wurde das Kind vielleicht gehänselt, was zu einer Schicht Scham führte. In der Schule musste es sich anpassen, was sich in einer Schicht Wut ausdrückte. Eine verpatzte Klassenarbeit legte eine Schicht Enttäuschung darüber, der erste Liebeskummer eine Schicht Schmerz. Und wenn wir schließlich erwachsen sind, dann ist unser Wesenskern unter einem ganzen Stapel von Schichten verborgen.

 

 

Diese Schichten, die unser wahres Wesen verbergen, machen die Fassade aus, hinter der wir uns verstecken. Nicht nur jeder Mensch hat seine eigene Fassade, auch jede Nation bringt ihre eigenen Fassaden hervor. Durch sie wird das oft schmerzhafte historische Erbe verborgen.

Z.B. ist den meisten Deutschen sicherlich klar, dass sie keine persönliche Schuld am zweiten Weltkrieg hatten, denn sie waren damals noch nicht einmal geboren. Und dennoch steckt(e) die Scham darüber, was „unser Volk“ einst verbrochen hat, subtil in jedem von uns.

 

„Unsere“ Nationalelf wurde bei der Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006 sicherlich nicht nur wegen ihrer Erfolge so gefeiert, sondern vor allem deswegen, weil sie uns endlich von dem Makel befreit hat, der gut ein halbes Jahrhundert an uns haftete. Endlich brauchten wir uns unserer Herkunft nicht mehr zu schämen, wurden „wir“ wieder weltweit anerkannt. Endlich konnten wir wieder singen! – Die Deutschen waren nach dem zweiten Weltkrieg das Volk, das weltweit spontan am wenigsten sang!

 

Vielleicht macht gerade dieses Beispiel deutlich, was es bedeutet, hinter Fassaden – derer wir uns zumeist noch nicht einmal bewusst sind – zu leben: Die Fassaden sollen uns schützen, uns vor Angst, Unglück und jedwedem Schmerz bewahren. Doch was sie stattdessen tun, ist, dass sie uns von dem Leben, seiner Fülle und seiner Lebendigkeit abschneiden.

 

Eben dem hat die Fußball-Weltmeisterschaft entgegen gewirkt: Sie hat quasi kollektiv die „dicke Schicht“ Scham verschwinden lassen und damit die Fassade, hinter der wir dieses Gefühl versteckten, zum Einsturz gebracht. Und das hat sich dann als Gefühl nationaler Befreiung ausgedrückt.

 

Genau hier, an den Fassaden also, die wir um uns errichtet haben, setzt Brandon Bays’ „The Journey“ an. Diese Reise ist eine ganz besondere Reise: Eine Reise durch alle Fassaden hindurch, durch all die Schichten, die wir im Verlauf unseres Lebens angehäuft haben, durch alles hindurch, was uns von „uns“ trennt.

 

 

 

Persönliche Erfahrungen

 

Brandon’s Buch „The Journey – der Highway zur Seele“ hatte mir zwar ausgesprochen gut gefallen, aber dennoch war ich mehr als skeptisch, als ich mich im vergangenen September auf den Weg nach Eindhoven zum meinem ersten Journey-Intensive-Seminar machte, denn dass man bei JEDER Journey seinem Innersten begegnen sollte, das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

 

Und ich hatte auch eine gehörige Portion Angst vor diesem Seminar. Denn zu wissen, dass diese Methode weltweit schon Tausenden von Menschen geholfen hat, nutzte mir in dem Moment wenig. Ich hatte einfach nur furchtbare Angst davor, was da an „Altlasten“ zutage befördert werden könnte.

 

Das Schöne an beiden „Reisen“ – der Emotional Journey, die uns durch die Schichten zu unserer „Quelle“ führt und der Physical Journey, bei der wir durch unseren Körper reisen – ist, dass wir ihre Ziele nicht willentlich festlegen können. Schön deshalb, weil wir es unserer inneren Weisheit überlassen müssen, wohin sie uns führt – zu welchen Erlebnissen mit den damit verbundenen Gefühlen oder in welchen Körperteil.

 

Das sah mein Verstand vor meiner ersten Journey natürlich vollkommen anders. Der hätte lieber das Heft in der Hand behalten und für das „erste Mal“ ein einfaches Thema gewählt. Und dass ich mich dagegen entschieden hatte, quittierte er mit der erwähnten Angst. Doch sie erwies sich als unbegründet, denn ich sah bestätigt, was ich schon oft gehört hatte: dass nie mehr „hoch kommt“, als man verkraften kann.

 

 

Dennoch war sie nicht einfach, meine erste Reise, obwohl sie die schönste war, die ich je unternommen habe, so unglaublich befreiend war sie. – Sie führte mich zurück zu meinem Kindheitstraum, der ausschließlich darin bestand, Klavier spielen zu wollen. Das Talent war da, wie mir meine Klavierlehrer bestätigten, nicht aber das Geld für ein vernünftiges Klavier.

Als frisch gebackenes Scheidungskind glühte ich vor Eifersucht, weil mein Vater mit seiner neuen Frau zwar zweimal pro Jahr in den Urlaub fuhr, es meiner Mutter aber nicht ermöglichte, mir ein halbwegs gutes Klavier auf Raten zu kaufen. Und ich war entsetzlich enttäuscht darüber, dass ich ihm nie hatte vorspielen dürfen, um ihm zu zeigen, dass sich diese Investition doch gelohnt hätte.

 

Doch das war schnell vergessen, denn kurz darauf kam ich in die Pubertät, und hatte somit anderes im Sinn, als meinem verlorenen Traum hinterher zu hängen. Doch weg war er dadurch nicht, wie ich heute weiß, sondern nur unter zahllosen Schichten verborgen.

 

Als Erwachsene hatte ich dann endlich Möglichkeit, mir ein vernünftiges Klavier zu kaufen und auch Unterricht zu nehmen. Aber da machte es keinen Spaß mehr, denn ich konnte nicht mehr so schnell lernen wie früher. Jeder Versuch, das „Damals“ wieder aufleben zu lassen, scheiterte genauso wie der Versuch, meinen Kindheitstraum durch meine Tochter zu „leben“.

Unmittelbar, bevor ich zu dem Journey-Seminar nach Eindhoven fuhr, hatten meine Tochter und ich beschlossen, das Klavierspiel endgültig an den Nagel zu hängen. – Daher hätte ich bei meiner ersten Journey mit allem gerechnet, nicht aber damit, dass durch sie ausgerechnet dieses vermeintlich endgültig „abgehakte“ Thema zutage befördert würde.

 

Und nun stand ich nicht nur ihm plötzlich gegenüber, sondern allen möglichen begleitenden Themen gleich mit. Aber das war gut so, denn mein Vater war drei Monate zuvor verstorben und ich litt noch sehr unter all dem, was unausgesprochen geblieben war.

 

Diese erste Journey war wie die Geburt meines ersten Kindes: Sie war anstrengend, aber kaum, dass es auf der Welt war, war alles gut und jeder Schmerz vergessen. Genauso strahlend, wenn auch erschöpft, saß ich nach dieser ersten Journey da. Denn ich hatte aus tiefstem Herzen heraus endlich verzeihen können. Nicht nur meinem Vater, sondern auch mir selbst.

 

Das hatte ich als Erwachsene schon oft versucht und in Teilbereichen sogar geschafft. Aber da war eben auch noch dieses Kind in mir, das voller Wut, Vorwürfe und Verletzungen steckte und das ich bis dahin noch nicht einmal wahrgenommen hatte.

 

Von dem „Inneren Kind“ hatte ich zwar schon gehört und wusste auch, dass es in uns „wirkt“, nur wie man ihm begegnen kann, das wusste ich nicht. Bei dieser Journey bin ich ihm nicht nur begegnet, nein, für einige Momente war ich es. Das ist kaum nachvollziehbar für jemanden, der es nicht selbst erlebt hat. Selbst ich dachte anfangs, ich hätte mir das alles nur eingebildet. Aber sowohl Gespräche mit zahlreichen Seminarteilnehmern als auch die Erfahrungen, die ich in späteren Journeys gemacht habe, bewiesen, dass man bei dem so genannten Lagerfeuerprozess tatsächlich das Kind ist. Man fühlt wie es, man redet wie es, man lässt alles raus, was damals unterdrückt wurde. – Diesem Kind zu begegnen, bedeutet nicht nur, alten Wunden zu begegnen, sondern vor allem unterdrückten Wünschen, Sehnsüchten, nicht gelebten Talenten und der Selbstverständlichkeit, mit der wir damals einfach nur gelebt haben.

 

Im Vergleich dazu ist es erschreckend zu erkennen, wie klein und eng wir uns und unsere Welt gemacht haben in dem Bestreben, uns zu schützen. Doch genauso wenig, wie die alten Wunden weg sind, so ist es unsere ursprüngliche Kraft auch nicht: Diese unbändige Kraft, die es uns erlaubte, laufen zu lernen, die vor Misserfolgen nicht kapitulierte, sondern es uns immer wieder neu probieren ließ, die ist noch immer da! Und sie wartet genauso wie unsere einstige Neugierde und schiere Lebenslust nur darauf, endlich wieder ausgegraben zu werden.

Jede Journey, die wir machen, verändert uns: Mit jeder Schicht, die wir „abtragen“, kommen wir dem, was uns wirklich ausmacht, immer näher, und das scheint dann von ganz allein nach außen drängen zu wollen.

 

 

 

Tücken der rationalen Erinnerung

 

In der Regel glauben wir zu wissen, was uns einst am meisten wehgetan hat oder gar, welche Situation uns traumatisiert hat. Doch das können wir gar nicht wissen, denn unser Verstand ist ein Meister darin, unsere Erinnerungen nach und nach so zu „korrigieren“, bis sie seinem Bild und damit nicht mehr der Wahrheit entsprechen. Das Kind dagegen, dem wir bei der Journey begegnen, spricht stets die Wahrheit. Das ist ganz deutlich spürbar.

 

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an zwei weitere Journeys, die ich beinahe abgebrochen hätte, so groß war die Angst vor dem aufkommenden Gefühl. Doch das ist völlig in Ordnung. Manches braucht einfach etwas länger. Mein Verstand aber sah das ganz und gar nicht so und bombardierte mich anschließend mit wahren Horrorszenarien. Nicht eines von ihnen entsprach der Wahrheit, denn das, worum es tatsächlich ging, was vergleichsweise banal: Als ich noch ganz klein war, hatte meine Mutter einmal keine Zeit, sich um mich zu kümmern, weshalb ich im Laufstall so lange schrie, bis ich ohnmächtig wurde. Ich wusste sogar davon, denn meine Mutter hatte es mir erzählt, doch bei der dritten Journey dann endlich empfand ich die damalige, so existenzielle Angst erstmals wieder. Mir kam sie vor wie Todesangst, kein Wunder also, dass ich, als absoluter „Journey-Frischling“, zunächst so viel Angst davor hatte, mich diesem Gefühl zu stellen.

 

Doch was mich im Grunde davon abgehalten hatte, das war die Angst des Verstandes vor der Angst. Natürlich war auch das keine leichte Journey, aber bestimmt hundertmal leichter – und vor allem wahrer – als unter der Knute des Verstandes zu stehen, der einem allen möglichen Unsinn einreden will.

 

Besonders faszinierend an dieser Journey fand ich zum einen, dass sie mir ein wirkliches „Re-Empfinden“ dessen, was schon so lange her ist, ermöglicht hat, und zum anderen, dass sie mir aufgezeigt hat, dass meine „rationale“ Wahrheit nichts mit der wirklichen Wahrheit zu tun hat.

 

Mit dieser Journey ist ein Knoten in mir geplatzt, denn seitdem weiß ich, dass die vom Verstand produzierten Ängste um Längen schlimmer sind, als alles, was sich auf einer „Reise“ je offenbaren wird. Doch der ganz wesentliche Unterschied besteht darin, dass die Angst des Verstandes quasi eine „Dauermaßnahme“ ist, während die in einer Journey angeschauten Ängste anschließend verschwunden sind..

 

 

 

Wahre Wunder können geschehen

 

Als spektakulär empfand ich in Eindhoven nur meine erste – also die „Emotional Journey“. Bei der Physical Journey hingegen hatte ich nicht das Gefühl, dass sie großartig etwas bewegt hätte.

 

Erst am folgenden Tag, als ich wieder zu Hause war und etwa vier Stunden gearbeitet hatte, stellte ich fest, dass ich das schon die ganze Zeit ohne Brille getan hatte. Ich hatte zwar Brandons Worte noch im Ohr, dass pro Seminar mindestens ein Teilnehmer anschließend keine Brille mehr braucht, aber das hatte ich doch nicht auf mich bezogen! – Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf, raste in die Küche, um dort Packungsbeilagen zu lesen (es klappte), von dort ins Wohnzimmer ans Klavier, um festzustellen, ob ich nun auch wieder Noten ohne Brille lesen konnte. Ich konnte! Nur glauben konnte ich es noch immer nicht. Also zurück ins Büro und die Mails in kleiner 10-Punkt-Schrift aufgerufen, bei denen drei Tage zuvor gar kein Denken daran gewesen wäre, dass ich sie ohne Brille hätte lesen können. Doch nun funktionierte selbst das!

 

Daraufhin zählte ich die Minuten, bis meine Kinder aus der Schule zurückkamen, denn DAS wollte ich ihnen natürlich unbedingt erzählen. – Als erste kam meine Tochter aus der Schule, doch sie ließ mich gar nicht erst zu Wort kommen, denn sie hatte eine Überraschung für mich. Und was für eine Überraschung! Sie setzte sich ans Klavier und spielte fehlerfrei das Stück, weswegen sie die Woche zuvor noch mit dem Klavierspiel hatte aufhören wollen … Wie wir später feststellten, hatte sie sich hier in Düsseldorf zeitgleich ans Klavier gesetzt, als ich in Eindhoven meine erste Journey beendet hatte!!!

Seitdem spielt sie täglich und beginnt sogar, einfache Stücke zu komponieren. Und ich selbst habe das Stück, weswegen ich das Klavierspiel an den Nagel hatte hängen wollen, am Tag nach dem Journey-Intensive-Seminar binnen einer Stunde spielen können.

 

 

Es gäbe noch eine Menge zu berichten, aber allein zu erklären, was Brandon’s Tumor geheilt und meine Sehkraft verbessert hat, würde zahllose weitere Seiten füllen.

 

Daher empfehle ich Ihnen stattdessen von ganzem Herzen die Lektüre ihrer Bücher, bzw., die Journey-Intensiv-Seminare mit ihr oder Bettina Hallifax zu besuchen. Für mich zumindest war es das Beste, das ich je für mich getan habe.

 

Anke Schmitz



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