Zitate

„Wichtig ist, dass niemand wartet, bis er krank wird, um die Quelle für frühere emotionelle Verletzungen zu suchen.“

 

„Ich kam zu dem Schluss, dass der Teil von mir, der die Geschwulst entstehen ließ, sie auch wieder verschwinden lassen kann.“


Visionen

Juli 2007

von Claudia Hötzendorfer

 

The Journey löst emotionale Blockaden

Machen uns negative Erlebnisse krank? Die Therapeutin Brandon Bays sagt ja. Schmerzhafte Erinnerungen könnten ein Grund für organische und seelische Erkrankungen sein. Das ist die Theorie, die hinter der Selbstheilungsmethode The Journey steckt, die von Brandon Bays entwickelt wurde.

 

 

Die Diagnose traf Brandon Bays 1992 wie ein Blitzschlag: Ein Tumor von der Größe eines Basketballs hatte sich in ihrem Bauch ausgebreitet. Wie konnte das sein? Die gesundheitsbewusste Therapeutin ernährte sich seit zwei Jahrzehnten vegetarisch, hielt sich viel an der frischen Luft auf, machte Yoga, meditierte regelmäßig und führte ein erfülltes Leben. Da ihr gesunder Lebensstil ihre Erkrankung offensichtlich nicht verhindern konnte, wollte sie die wirkliche Ursache dafür herausfinden. Sie überredete ihre Ärztin, die auf eine schnelle Operation drängte, den OP-Termin um einen Monat zu verschieben und begab sich auf eine Reise nach innen. Danach suchte Brandon Bays die Gynäkologin erneut auf. Die konnte feststellen, dass der Tumor zwar nicht völlig verschwunden, jedoch merklich geschrumpft war.

Brandon führt diese Entwicklung auf ihre Bemühungen zurück, sich mit dem Tumor bewusst auseinander zu setzen. „Ich kam zu dem Schluss, dass der Teil von mir, der die Geschwulst entstehen ließ, sie auch wieder verschwinden lassen kann“, resümiert die US-Amerikanerin. Und sie behielt Recht. Nach dem Besuch bei ihrer Ärztin setzte sie ihren Weg der Selbstheilung fort. Mit Erfolg. Nach zweieinhalb weiteren Wochen war der Tumor vollständig verschwunden.

 

 

 

Das Gedächtnis der Zellen

 

The Journey – die Reise nennt Brandon Bays die Methode, die sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit ihren Selbstheilungskräften entwickelte. Grundlage bildet die inzwischen auch durch wissenschaftliche Untersuchungen belegte Erkenntnis, dass die Zellen entscheidenden Anteil daran haben, ob wir körperlich und seelisch gesund bleiben. Mediziner wie Deepak Chopra vertreten die Auffassung, Zellen hätten ein Gedächtnis. Sie speichern positive wie negative Reize. Letztere können zur Folge haben, dass sich die Rezeptoren in den Zellwänden verschließen und so die Vorgänge im Körper blockieren. Dadurch wird der Prozess der Zellerneuerung empfindlich gestört, was die Ursache für eine spätere Erkrankung sein kann.

 

Basierend auf dieser Vorstellung ist Brandon davon überzeugt, dass sich unerledigte, schmerzhafte Erinnerungen aus der Vergangenheit und damit verbundene unterdrückte Gefühle zu einer Erkrankung transformieren können.

 

 

 

Reise nach innen

 

Die Erklärung für dieses Phänomen entlehnt Brandon Bays aus der Chemie: „Auf rein chemischer Ebene haben Ereignisse und Erlebnisse Einfluss auf unsere Zellen. Mit The Journey stoßen wir zur Wurzel der seelischen Verletzung oder körperlichen Blockade vor, decken sie auf, lassen sie zu und schließlich los. Dadurch wird Heilung auf zellulärer Ebene möglich.“ Aus der Luft gegriffen ist ihr Ansatz nicht. Jeder weiß, dass Stress und Ärger den Blutdruck steigen lassen und weitere chemische Vorgänge im Körper in Gang setzen. „Wer zu seinem Inneren vordringt, kann dort den wahren Frieden finden und sich dadurch von seelischen Wunden oder körperlichen Beschwerden dauerhaft befreien“, so Bays.

 

The Journey bietet zwei Techniken zur Selbstheilung an:

 

1. Heilung auf seelischer Ebene: „Auf der emotionalen Reise „reisen“ wir durch unsere verborgenen Gefühle zu unserer innersten Quelle. Auf dieser Ebene können uns von unseren alten Verletzungen heilen“, beschreibt Brandon Bays den Vorgang.

2. Heilung auf körperlicher Ebene: „Die körperliche Reise ist vergleichbar mit einem Abenteuertrip durch unseren Organismus. Ganz gezielt nehmen wir dabei Kontakt zu dem Organ auf, in dem die Zellen blockiert sind. Um die dort feststeckenden Emotionen zu befreien, müssen wir uns dem Grund dafür stellen. Heilung ist dann möglich, wenn wir aus tiefstem Herzen verzeihen.“

 

 

 

Die Methode

 

Was sich in der Theorie einfach anhört, ist mit Vertrauen und der Stärke verbunden, sich dem, was kommt, auch wirklich zu stellen. In ihren Seminaren bittet Brandon die Teilnehmer Paare zu bilden, die sich gegenseitig durch diesen Prozess begleiten. Nicht selten fließen Tränen, wenn unterdrückte Gefühle aufsteigen. „Wir lassen niemanden mit seinen Emotionen allein. Den Teilnehmern werden immer Trainer zur Seite gestellt“, versichert Bays. Nach den Seminaren könnten sich die Gruppen immer wieder zum Austausch treffen. „Natürlich kann man auch allein arbeiten. Ich habe dafür eigens CDs aufgenommen und führe durch die Übungen“, so Brandon. „Ich weiß aber auch wie trickreich unsere Gedanken sind. Das Gehirn spielt einem gern Streiche und lenkt uns ab. Ist aber jemand dabei, kann er dafür sorgen, dass wir konzentriert dabei bleiben.“ Sie selbst gehe mindestens einmal im Monat auf eine Reise durch Körper und Seele. „The Journey ist keine einmalige Sache, die man durchführt und schon ist man von allem geheilt“, stellt die Therapeutin klar. „Es ist ein lebenslanger Prozess, in dem immer wieder emotionale Themen verarbeitet werden müssen.“

 

 

 

Keine falschen Hoffnungen

 

Zu der Kritik, durch ihre Geschichte der wundersamen Heilung von einem Tumor mache sie möglicherweise unheilbar Kranken falsche Hoffnungen, sagt die Amerikanerin: „Sowohl ich als auch die Trainer haben Erfahrung darin, mit Menschen umzugehen, deren Krankheit tödlich verlaufen wird. Deshalb gehen wir gezielt in Krankenhäuser und Hospize, um Patienten beizustehen. Die Journey-Arbeit soll die Suche nach dem inneren Frieden unterstützen und helfen, wirkliche Vergebung zu finden. Wir tun nichts, was jemanden glauben ließe, wir würden hier ein Wunder vollbringen. Ganz besonders nicht bei Menschen, die dem Tode nahe sind. Wir können nicht Gott spielen. Aber was wir können, ist den Menschen helfen, ihr Innerstes zu erfahren.“

 

 

 

Viele Einsatzmöglichkeiten

 

Weltweit arbeiten Therapeuten auch in Gefängnissen, Drogenberatungsstellen und Rehakliniken mit Brandon Bays Methode. AIDS-Organisationen setzen The Journey ebenfalls ein. Besonders aktiv ist Bays in Soweto/Südafrika, um Kinder und Jugendliche von ihren Traumata zu befreien.

 

„Wichtig ist, dass niemand wartet, bis er krank wird, um die Quelle für frühere emotionelle Verletzungen zu suchen“, so Bays. Es müssten auch nicht zwangsläufig traumatische Erlebnisse sein, die zu emotionalen oder körperlichen Blockaden führen. Schon einfache alltägliche Ereignisse können ein Auslöser sein. „Wir haben Angst eine Rede zu halten oder den Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Jeder kennt Situationen, denen er sich nicht gewachsen fühlt. Warum also warten wir, bis all diese Erlebnisse uns innerlich blockieren?“

 

Claudia Hötzendorfer


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