Emotionen sind wahrhaftig das Tor zum Unendlichen

Auszug auf Brandon Bays Buch "In Freiheit leben"

.....Wir unterliegen so häufig dem Missverständnis, dass unsere Emotionen die Erfahrung ultimativen Friedens behindern könnten: dass sie der Sturm sind, der uns von der inneren Stille ablenken kann. Sie scheinen unsere Erfahrung der Freiheit einzuschränken und das grenzenlose Ausmaß der Gnade zu verdecken, die von Natur aus endlos, frei und emotionslos ist. Es gibt so viele falsche Vorstellungen über Emotionen.....

Wir haben bereits in jungen Jahren gelernt, dass es „gute“ und „schlechte“ Emotionen gibt. Wenn wir morgens vor der Schule über irgendetwas geweint haben, brachte Mama uns schnell zum Schweigen und schob jene „schlechten“ Emotionen mit den Worten beiseite: „Komm, mein Schätzchen, trockne deine Tränen. Es ist Zeit für die Schule. Kopf hoch..“.

Wir haben also seit frühester Kindheit gelernt, dass „schlechte“ Emotionen nicht willkommen und nur die „guten“ erlaubt waren. Wenn wir uns gefürchtet oder geschämt haben, verletzt oder wütend waren, wurde uns beigebracht, diese Gefühle zu verstecken, sie beiseite zu drängen und stark zu sein. Jene „schlechten“ Gefühle ließen uns vor dem Rest der Welt angeblich als Schwächling erscheinen und als Feigling und Zimperliese vor den Augen jener, die stärker waren als wir.

 


Es dauerte nicht lange, und jegliche starke Emotion, die hochkam, wurde sofort abgewürgt und verdeckt, während wir schnell versuchten, sie in etwas umzuwandeln, das der Gesellschaft angenehmer und akzeptabler erschien. Selbst wenn wir uns versteckten, uns in unserem Zimmer einschlossen, damit wir uns ein paar Minuten lang ungestört der Emotion hingeben konnten, kämpften wir oft darum, die Tränen zurückzuhalten, versuchten, uns das jeweilige Gefühl auszureden oder seine Wichtigkeit zu reduzieren und schämten uns derweil vielleicht sogar unserer Schwäche.

Emotionen wurden Einladungen für uns, in den Kampf zu ziehen. Der Moment, in dem irgendetwas in uns hochkam, von dem wir oder die Gesellschaft meinten, es sei zu emotional, traten alle uns verfügbaren Strategien auf den Plan mit dem Ziel, dieses Gefühl zunichte zu machen, es zu verdrängen, oder in etwas Akzeptables zu verwandeln.... wir bekämpften es, widersetzen uns ihm, versuchten, es wegzuerklären; wir stritten uns mit ihm, projizierten es, gaben anderen die Schuld daran und machten uns selbst Vorwürfe, diese Emotion zu fühlen, bis wir schließlich begannen, Langzeitstrategien zur Unterdrückung von Gefühlen zu entwickeln. Wir begannen zu rauchen, Alkohol zu trinken, zuviel zu essen, sinnlos Fernsehen zu schauen, endlos fast alles zu lesen, was uns in die Finger kam; und das alles in dem Bemühen, sämtliche unakzeptablen Emotionen zu narkotisieren und einzuschläfern.....

Emotionen wurden die Übeltäter, die vernichtet werden mussten, bevor sie uns vernichten konnten.

 


Und doch

Solange wir in diesem Körper leben, werden sich Emotionen als ein natürlicher Aspekt unseres Menschseins immer wieder einen Weg bahnen. Es ist, als würden wir unser ureigenstes Selbst bekämpfen, unsere eigene Natur. Dieser widernatürliche Kampf ist aussichtslos...... Es gibt nichts, was Sie tun können, um diese Macht zu stoppen und jeglicher Widerstand nimmt Ihnen nur Ihre Energie und erschöpft Ihr ganzes Wesen. Tatsächlich ist es genau dieser Kampf gegen das Fühlen, der uns unseren Frieden raubt und dazu führt, dass wir uns schlecht fühlen. Wenn so große Anstrengungen gemacht werden, um sich dem natürlichen Fluss des Lebens zu widersetzen, bleibt nicht viel Lebenskraft übrig, um die dem Leben innewohnende Freude zu genießen.

 


Doch was wäre, wenn Sie beschließen würden, das Spiel dieses Krieges nicht zu spielen?

....Was wäre, wenn Sie jeglichen Widerstand aufgeben würden?

Was wäre, wenn Sie sich einfach weigerten zu kämpfen?

....Was wäre, wenn Sie entdecken würden, dass das Leben an Stelle eines Schlachtfeldes ein unendlich weites Feld ist – ein Feld des Vertrauens, der Offenheit, der Liebe?

Und was wäre, wenn in diesem unendlichen Feld der ganze natürliche Fluss der Gefühle des Lebens die Freiheit hätte, zu kommen und zu gehen?

Was wäre, wenn Sie dem natürlichen Fluss keinen wie auch immer gearteten Widerstand entgegensetzen würden? ... Ich frage mich, was dann wohl passieren würde?

..... Es ist an der Zeit, den Kampf auszugeben und Ihren Feind mit offenen Armen willkommen zu heißen. Es ergeht die Einladung an Sie, liebe Leser, endlich Ihre Waffen niederzulegen und das ganze Lebens aus vollem Herzen zu begrüßen.

Die Zeit ist gekommen, sich mit Ihren Emotionen anzufreunden.

Sie sind das Tor zu Ihrem Selbst.

..... Wenn Sie Ihre Gefühle verleugnen, verleugnen Sie sich selbst. Sie verlieren den Kontakt mit sich selbst und fühlen sich getrennt, beraubt, traurig, allein, distanziert, wie betäubt und innerlich abgestorben.

Und doch hält eine Emotion, jedes Mal, wenn sie hochkommt, eine offene Einladung bereit, das eigene Selbst zu erfahren. Sie bietet einen Weg zu Ihrer eigenen Essenz, ein Tor zu Ihrer Seele.

Denn genau das, was wir unterdrückt haben, ist in Wahrheit ein Weg zurück zu unserem Selbst, zu Erleuchtung, zu Freiheit. Wir haben der Emotion die Tür gewiesen und indem wir dies taten, haben wir den Blick für unsere eigene Essenz, unser wahres Wesen verloren.

Das, was Sie zu fürchten gelernt haben und daher unterdrücken, ist in Wahrheit ein Tor zu Ihrer Seele.

 


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