Von Suzy Greaves, Style Magazine, The Sunday Times
Eine ganzheitliche Selbstentwicklungstrainerin hilft einer sehr skeptischen Suzy Greaves den Ballast eines ganzen Lebens loszuwerden.
Ich saß in einem Saal mit 100 anderen und mein Gesicht leuchtete. Ich hatte das Gefühl, endlich den Schmerz, den Ärger und die Verletzungen eines ganzen Lebens losgelassen zu haben. Mein Wesen fühlte sich heil an, ganz. Plötzlich fielen mir Farben und Töne im Saal auf. Es war, als ob ich die Welt mit neuen Augen betrachtete. Ich wollte tanzen, singen und feiern – etwas ganz Untypisches für die gestresste zynische Journalistin, die ich kennen und lieben gelernt hatte.
Das war am Ende des zweiten Tages des Journey workshops, der von der Amerikanerin Brandon Bays – einer Expertin für Körper, Geist und Seele – geleitet wird und bei mir hatte es endlich gefunkt. Während des ersten Tages saß ich resolut unbeeindruckt, als sie erklärte, wie wir uns alle von vergangenen Traumas und einschränkenden Mustern befreien können und jegliche emotionale Blockaden, die unser Glück und unseren Erfolg schmälern, auflösen können. Ja, sicher, dachte ich. Schon wieder so ein blonder Selbstentwicklungsguru aus Kalifornien mit perfekten Zähnen, die uns einreden will wie wir unser Leben leben sollen. Ich saß mit verschränkten Armen, entschlossen mir ihr Psychoblabla nicht anzuhören.
Die Leute um mich herum waren es, die die ersten Zweifel in mir aufkommen ließen. Das waren nicht die üblichen workshop-junkies, die die neueste Therapie ausprobierten, sodass sie bei ihrer nächsten Dinner Party Gesprächsstoff hätten. Das waren Leute aus allen Lebensbereichen – von Generaldirektoren bis hin zu Arbeitslosen – die einfach beschlossen hatten, dass es doch noch etwas anderes im Leben geben müsste als die Routine, die sie tagtäglich erlebten. Warum waren sie wohl zu diesem speziellen workshop gekommen? Weil die Journey es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit dem besten Teil von sich in Verbindung zu bringen, sagten sie. Sie waren nicht länger bereit, sich in ihrem alten Schmerz zu suhlen und über ihr Schicksal zu jammern. Diese Leute wollten weiterkommen und ihr höchstes Potential erforschen.
Ihr Mut berührte mich am meisten. Diese Leute schauten sich selbst sehr mutig und ehrlich an und waren bereit tief in sich zu gehen, um zu entdecken was sie zurückhielt. Diese Offenheit, dieser Mut berührte mich peinlich und ich verbrachte den ersten Tag hauptsächlich damit, den Saal zu verlassen und zu rauchen und jeden anzupfauchen, der mir zu nahe kam.
Am ersten Tag des workshops – nach mehreren Meditationen – wurden wir zu zweit in ruhige Ecken des Raumes geschickt. Mit Hilfe eines sehr genau formulierten Skripts wurden wir durch einen einfachen, Schritt für Schritt Prozess geführt, von dem Brandon behauptet, dass er nicht nur unterdrückte Emotionen ans Tageslicht bringt, sondern uns auch zu unserer „inneren Weisheit“ führen würde.
„Das ist ein Ort von „No Mind“ – des Nichtdenkens, der mit verschiedenen Namen bekannt ist.“ sagt Bays. „Sportler nennen es die Zone, Gelehrte nennen es Universelle Intelligenz, Quantenphysiker nennen es die Quantensuppe. Es ist das wer Sie auf tiefster Ebene sind. Es ist alles dasselbe – und damit in Kontakt zu kommen ist die Quelle aller Antworten und aller Genialität.
Ich wollte nicht mit Genialität in Kontakt kommen. Ich wollte nur in Ruhe gelassen werden. Ich drängte meinen Partner zuerst zu gehen. Als ich mein Skript las und ihn durch den Journey Prozess leitete, schaute ich ihn verwundert zu, als er durch intensive Gefühle von Ärger und Schmerz „fiel“, hinein in etwas das er als weißes Licht bezeichnete und das er als sein wahres Selbst erkannte. Er fühlte sich zum allerersten Mal in seinem Leben sicher, sagte er. Das war unglaublich berührend.
Bays glaubt, dass es auch sehr gesund ist. Sie glaubt, dass emotionale Blockaden sich in physische verwandeln können und als „Phantomerinnerungen“ in unseren Körpern gespeichert werden, die sich dann zu Krankheiten entwickeln können.
Bays spricht aus dramatischer eigener Erfahrung Sie war ein Vorzeigemodell strahlender Gesundheit und Erfolgs, mit mehr als 20 Jahren Erfahrung am Puls der Zeit auf dem Gebiet menschlichen Wachstums und Potentials, bereiste die Welt und hielt Seminare vor Tausenden Menschen, als vor 5 Jahren bei ihr ein Tumor entdeckt wurde...........
............Sofortige Operation war die einzige Möglichkeit. Sie lehnte ab. „Ich hatte mein ganzes Leben auf dem Gebiet ganzheitlicher Heilung verbracht. Um nichts in der Welt konnte ich einem Chirurgen erlauben, mich aufzuschneiden ohne zuerst zu versuchen mich selbst zu heilen“, sagt sie.
Bays verkroch sich für 6 Wochen, ernährte sich von den besten Lebensmitteln und ruhte sich total aus während sie versuchte, die emotionale Wurzel zu finden, von der sie dachte, dass sie die Krankheit in ihrem Körper bewirkt hätte.
6 Wochen nach ihrer ersten Diagnose ging sie wieder ins Cedars Sinai Krankenhaus in Kalifornien für ihre Folgeuntersuchung. Man bestätigte ihr, dass sie medizinisch völlig gesundet war. Der Tumor war total verschwunden ohne Medikamente, ohne Operation.
Nun unterrichtet Bays ihren persönlichen Heilprozess in ihren Seminaren.
Sie verzieht das Gesicht, als ich bemerke sie sei eine Heilerin. „Ich bin eine Begleiterin, die den Leuten lediglich die Werkzeuge anbietet - mit denen sie ihre eigene Heilreise beginnen können. Ich will nicht, dass sie sich ein Wochenende toll fühlen und dann wieder in ihren althergebrachten Trott fallen. Ich möchte, dass sie ihre innere Transformation weitermachen.
Das ist eine Reise, nicht ein Pflaster.“
Nach dem Workshop gibt es monatliche Gratismeetings für jene, die ihre neu erlernten Fähigkeiten üben möchten und weitere Herausforderungen in ihrem Leben in einer unterstützenden Umgebung bearbeiten möchten.
Während des Seminars sah Bays dass ich mich plagte und bot mir an, mit ihr persönlich zu arbeiten. Mit meinem besten zynischen Lächeln bekundete ich mein Einverständnis. Sie tratschte ein wenig mit mir vor dem Prozess und ich bemerkte, dass ich begann mich ein wenig zu öffnen. Sie schien lustig, intelligent und total authentisch. Da war kein esoterischer Unfug mit Bays.
Als der Tratsch vorbei war, war ich nun an der Reihe. Bays führte mich durch einen Prozess, in dem ich Schmerz, Ärger und verdrängte Trauer empfand, von der ich dachte, dass ich sie vor vielen Jahren sicher verstaut hätte. Meine Gefühle von Zorn und Verlassenwerden durch den Tod eines geliebten Menschen waren so stark, dass es mich schüttelte. Es war extrem emotional aber auch sehr befreiend, die Trauer aufzulösen, die ich so lange Zeit verleugnet hatte. Und zu guter Letzt erreichte ich diesen Platz des Friedens. Meiner war nicht so sehr ein weißes Licht, sondern mehr ein Leuchten, das mich bis in die Knochen wärmte.
Ich öffnete meine Augen und fühlte mich wie wenn ich von Innen her gewaschen worden wäre, so als ob mich jemand komplett gereinigt hätte. Ich hatte immer gedacht, dass Zynismus cool sei: Ich hatte mich nie geöffnet, mir nie erlaubt verletzbar zu sein. Nachdem ich den Prozess beendet hatte, fühlte ich mich nicht den Blicken der anderen ausgesetzt oder schamvoll. Ich wollte nicht mal eine Zigarette. Ich fühlte mich nur ungewöhnlich leicht, ein wenig strahlend und endlich frei.